Naturlack

Urushi, Schellack, Bernsteinlack…

Natürlicher Lack zur Beschichtung von Oberflächen, zur Abdichtung, Dekoration oder zur Anfertigung von Bildobjekten hat in der ganzen Welt eine sehr lange Tradition. Grundlage bildet meist pflanzlicher Saft wie der des Lackbaumes (Rhus verniciflua) zur Gewinnung von Japan- oder Chinalack (japanisch „Urushi, chinesisch „Qi“), aber auch die Ausscheidung der Lacklaus oder fossiles Harz.

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Die traditionellen Farben von Japanlack (Urushi) sind Braun, Schwarz und Zinoberrot. Weitere Farben können nur mit ausgewählten Pigmenten im Lack realisiert werden und sind entweder sehr dunkel oder besitzen kaum Glanz, da ein sehr hoher Pigmentanteil notwendig ist.  Die Trocknung der Lackschichten erfolgt im Feuchtschrank bei 25 bis 30°C und 75 bis 85 % rel. Luftfeuchtigkeit. Bei Temperaturen zwischen 100 und 200°C kann der Lack auch auf Keramik oder Metall „eingebrannt“ werden. Der nicht ausgehärtete Lack ruft unter Umständen Hautreizungen hervor, weshalb bei der Verarbeitung Achtsamkeit geboten ist.

Der Schellack soll hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt sein, da er bei den aktuellen Arbeiten nicht eingesetzt wird.

Einfacher ist hingegen der in Europa verbreitete Bernsteinlack zu handhaben. Er kann trotz seiner natürlichen Bernsteinfarbe mit nahezu allen üblichen Pigmenten eingefärbt werden und besitzt einen ausgezeichneten Glanz. Die Aushärtung erfolgt bei Raumtemperatur an der Luft oder auch bei etwas unter 100°C im Wärmeschrank. Dieser Lack ist bei normalem Gebrauch gesundheitlich unbedenklich.

…und was ist mit Cashew Lacquer?

In neuerer Zeit ist oft von Cashew Lacquer als Ersatz für Japanlack die Rede, weil dieser Lack keine Hautreizungen verursacht. Dieser so genannte Cashew Lacquer suggeriert mit seiner Bezeichnung, dass es sich hier auch um einen Naturlack handelt. Aber weit gefehlt, es handelt sich um einen synthetischen Lack auf der Basis von Phenol. Der Penolbestandteil wird hier aus dem Öl der Schale der Cashewnuss gewonnen und ist bedeutend billiger in der Herstellung als synthetisches Phenol. Phenol ist giftig, ätzend und gesundheitsgefährdend und wird deshalb in Lacken nach und nach durch weniger gefährliche Stoffe ersetzt. Das Verfahren zur Nutzung von Cashew-Öl bei der Lackherstellung wurde von Cashew Co., LTD in Japan entwickelt.


Literatur und Weblinks

Urushi:

Drescher, St., „Kintsugi Technik“ (2014)

Eades, Carla, Nishiyama, Yuriko, Yanase Hiroko, „Hikone butsudan“

Schlellack:

Wikipedia – Schellack

Bernsteinlack:

Poppe, Dr. I. H. M., „Allgemeines ökonomisch-chemisches-technologisches Haus- und Kunstbuch oder Sammlung ausgesuchter Vorschriften zum Gebrauch für Haus- und Landwirthe, Professionisten, Künstler und Kunstliebhaber“ (1820)

Cashew Lacquer:

Cashew Co., Ltd

Golden Cashew Products Pvt. Ltd